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Die Kunst ist lang, das Leben kurz

Ansätze aphoristischer Hermeneutik

Beitrag 16: Hans Peter Balmer über diverse Aphoristiker

Wer nun einmal über diesen Satz sich aufhielte, der wäre bereits im Begriff, einen Aphorismus zu erfassen, einen berühmten, über Generationen weitergereichten und weitergedachten. Vita brevis, ars longa, ein Satz, dem altgriechischen Arzt Hippokrates zugeschrieben. Es ist nicht allein die Aussage, sondern wesentlich auch die Form der Maxime, vier Worte, zwei Glieder, symmetrische Gestalt, welche Aufmerksamkeit erregt und den Impuls zur Reflexion setzt und zur Stellungnahme anregt.
Aphoristik, Essayistik, Moralistik – damit ist ein Grenzbereich zwischen Prosakunst und Philosophie bezeichnet, dem besondere Bedeutung zukommt als kunstgerechter Versuch zu Mitteilung und Verständigung. Kommunikation kann ja nur bedingt erfolgen, indirekt zudem, hat sie doch in Rücksicht auf Freiheit zu geschehen. Unabdingbar ist topisch-inventorische Orientierung an der Welterfahrung in Sprache. Die menschliche Situation, im Spielraum sprachlicher Interpretierbarkeit, erschließt sich relational und analog. Die Analogie hat bekanntlich den Vorteil, „dass sie nicht abschließt und eigentlich nichts Letztes will“.| 1 | Im Ungefähr eines mittleren Bereichs zwischen unabsehbarer Vieldeutigkeit (Äquivozität) und idealer Eindeutigkeit (Univozität) hält sich eine ganz unverrechenbare und höchst bedeutsame Sorge um Lebendigkeit und Offenheit. Förderlich ist eine Reichhaltigkeit (copia) der Topoi| 2 | unter Beteiligung von Vorstellungs- und Erfindungskraft, Imagination und Ingenium.| 3 | Was so sich abzeichnet, beschreibt sich als eine einzigartige Weise der Orientierung an – stets frei zu behandelnden – Vorgegebenheiten, an Angeboten, mehr oder minder plausiblen, an Wahrscheinlichkeiten| 4 |, Gemeinplätzen| 5 |, praxisleitenden Enthymemen, erschließenden, aber nicht fixierenden Maximen, wie sie insbesondere die Tradition der Moralistik kultiviert, Impulse allesamt zu verstehender Aneignung der niemals identischen Wechselfälle des Lebens.
Die systematischen idealistischen Konzepte erodieren gewissermaßen im aphoristisch-moralistischen Diskurs. Im 17. Jahrhundert macht in Frankreich La Rochefoucauld| 6 | vollends unübersehbar, dass die wirklichen Verhaltensweisen sich durch ihre komplexe Motivation großenteils dem Bewusstsein und bloß rationalen Maßstäben entziehen. Die Unbeständigkeit der Subjektivität, Dynamik und Heterogenität des Menschlichen rücken endgültig ins Visier analytischer Reflexivität.| 7 | Die bis Lacan und weiter anhaltende Wirksamkeit von La Rochefoucaulds Aphoristik besteht schließlich darin, dass schlechterdings Zweifel an der Praxis ethischer Zurechnung geäußert und an den zur Reflexion aufgeforderten Leser weitergegeben werden.
Gewichtiger, zukunftsweisender als die manifeste Aussage, der propositionale Gehalt ist auch bei Jean de La Bruyère die an die freie Urteilskraft des Lesers sich richtende innere Reflexivität des aufmerksam beobachtenden Autors.| 8 | Skeptisch gegenüber jener Affektdämmung und Leidenschaftsmodellierung, wie sie der Modernisierungsprozess im Dienste von Gelderwerb, Eigentumsbildung und arbeitsteiliger beruflicher Funktion immer rücksichtsloser einfordert, sucht der Moralist des 17. Jahrhunderts zwischen der sich abzeichnenden bürgerlichen Lebensgestaltung und dem außer Geltung geratenden aristokratisch- feudalistischen Standesethos nach einem neuen Weg.

Nehme Besitz von deiner Stelle

Grundsätzlich gilt: Im menschlichen Bereich kann nicht mathematisch exakt verfahren, nicht in logischen Syllogismen deduziert, nicht in direkter Form mitgeteilt, sogar nicht einmal umstandslos adressiert werden. Erforderlich ist hier anderes: ingeniöse Sprachkunst, rhetorische Enthymeme, mit Vorzug aphoristische Formen, denn sie sind es, die dem menschlichen Grundkonflikt zwischen Affekt und Vernunft in kreativer Weise zu entsprechen vermögen. Gegenüber einer rein rationalen Kultur bleibt ein Vauvenargues auf Distanz. Geist kann seines Erachtens nicht dem Kopf allein entstammen. Seine bekannteste Sentenz lautet: Die großen Gedanken entspringen im Herzen: les grandes pensées viennent du cœur.| 9 | Gemeint sind offensichtlich Gedanken, die weiterführen, etwas zu bewegen vermögen, Ideen, die Wirkung zeitigen.
Ein halbes Jahrhundert später, in einer gewandelten Situation, heißt es dann: Unter Menschen muss das Herz entweder sterben oder aber versteinern: le cœur se brise ou se bronze.| 10 | Mit seinem Ethos der Sensibilität verkörpert Chamfort den Moralisten in kompromissloser Weise.| 11 | Anhand seines Werks konnte über die unerlässliche gnomisch-aphoristische Form des lebensbezogenen Denkens und dessen einzigartige kommunikative Wirkkraft bemerkt werden, es beflügele mit seinem Witz abstrakte Begriffe. Denkkraft und Darstellungskunst konzentrierten sich jeweils ausschließlich auf den einen reichhaltigsten Moment eines Gedankens, enthielten sich aber umständlicher begrifflicher Herleitung und Folgerung. Und, wie bereits bezüglich Francis Bacons, heißt es erneut, der Fortschritt von Philosophie und Wissenschaft würde von der aphoristischen Methode ausnehmend gewinnen.| 12 |
Die pragmatische Orientierung an Maximen, die am ehesten schien eine umsichtige und geschmeidige Lebensführung zu erlauben. Aphoristische Sätze sind Spiegelungen von Beobachtungen. Sie werden geschliffen und mitgeteilt, um andere zu ermuntern, nicht stehen zu bleiben, ihrerseits möglichst weiter zu gehen. Derart zuredend wird der Autor zum Menschenprüfer, nach dem Prototyp des Sokrates, des geburtshelferischen, mäeutischen. Über Einsichten und Erkenntnisse hinaus sollte es um Bildung der Person gehen. Zu erfahren und einzuüben, war, dass in unzureichender, unintelligenter Anwendung einer jeweiligen Maxime fälschlich eine Allgemeinheit unterstellt wird, eine Prinzipialität, als sei sie unverrückbar höchster Leitsatz (maxima propositio, maxima regula). Kompetente verfahren demgegenüber vorsichtiger. Intutiv erfassen sie Ähnlichkeiten und Unterschiede. Vor allem ersparen sie sich nicht die Beobachtungen, die den Autor zum sentenziösen Resultat geführt haben. Sie differenzieren. Ihrem Urteil ist klar, unter welchen Umständen eine Einsicht, ein Satz, ein Text auf diesen oder jenen Fall anwendbar ist, ob mehr, ob minder, ob überhaupt nicht. Kurzum, Ingeniosität stellt sich unter Beweis, indem sie überall die individuellen Modalitäten zu berücksichtigen versteht und nicht geistlos an fixen Einteilungen haftenbleibt. Gesteigerte Lebendigkeit verlangt selbstverständlich Klugheit, Geschmack, Urteilskraft, Geist, kurzum: die schöpferische Anverwandlung des Überindividuell-Typischen.
In entschiedener Abkehr von jeglicher Ideologie und allem Fanatismus ist namentlich Georg Christoph Lichtenberg| 13 | ein Autor voller Witz, Humor und Weisheit. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, verlangt bekanntlich die aufklärerische Maxime. Jenseits rationalistischer Verkürzungen freilich sind ebenso die Empfindungen in Worte zu bringen, sind für die Bedürfnisse die richtigen Begriffe zu finden. Und also verdeutlicht ,pellucidus mons’, der gewitzte wunderbare Lichtenberg das Horazische sapere aude zu: „Habe Mut zu denken, nehme Besitz von deiner Stelle“.

Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch

Als eigentümlich fasst Goethe die aphoristische Performanz auf.| 14 | Die kleinste Einheit innerhalb des Ganzen, das Aperçu| 15 |, wie er es nennt, komme aus einer Folge und rufe eine Folge hervor, es knüpfe an und löse Anknüpfungen aus, es sei „ein Mittelglied einer großen, produktiv aufsteigenden Kette“.| 16 | Derart zeigt sich Goethes Tendenz ins Positive, Optimistische. „Ein geniales Aperçu beschäftigt eine sehr große Anzahl Menschen, erst nur um es zu kennen, dann um es zu erkennen, dann es zu bearbeiten und weiterzuführen“.| 17 |
In Hinsicht auf verstehende Aneignung von Welt bewertet Goethe als „das Vorzüglichste“ den lebendig begabten Geist, der sich „in praktischer Absicht ans Allernächste“ hält.| 18 | Das dem Menschen Nächste ist aber vor allem der Mensch selbst: „Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch“.| 19 | Entsprechend ist Menschenkenntnis eine unerschöpfliche Aufgabe. „Nur sämtliche Menschen“, mahnt Goethe, „leben das Menschliche“.| 20 |
Grundlage aller Einsicht ist die vielleicht zentrale Maxime jeglichen praxisrelevanten Denkens seit Anbeginn: Gnothi sauton, nosce te ipsum, „das bedeutende Wort“, sagt Goethe, Erkenne dich selbst. Goethes allerdings vorbehaltliche, antiaszetische Auslegung: „Erkenne dich selbst heißt ganz einfach: Gib einigermaßen Acht auf dich selbst, nimm Notiz von dir selbst, damit du gewahr werdest, wie du zu deines Gleichen und der Welt zu stehen kommst“.| 21 | Im übrigen insistiert Goethe wie die politischen Aphoristiker im Gefolge des Tacitus (Machiavelli, Guiccardini, Gracián, Vauvenargues) auf dem Tun als der eigentlichen Aufgabe des Menschen. Es sei „wenig zu wissen und alles zu leisten“.

Vergeistigung der Sinne, Versinnlichung des Geistes

Anstelle jeglicher abgehoben-überheblicher ,Selbstbespiegelung des Geistes’ mit der bedrohlichen Entleerung von Welt und Selbst ohne affektiv-emotionalen Konnex mit dem Anderen des Geistes begünstigt Friedrich Nietzsche betontermaßen eine Leibpraxis, ein Leben in Differenzierung und Diversifikation. Für Sinnenwesen gibt es niemals absolute Distanz. ,Vergeistigung der Sinne, Versinnlichung des Geistes’ erstrebt demgegenüber Steigerung der Fähigkeit zugegen zu sein.
Ein entsprechendes Philosophieren, das wesentlich experimentell ist, muss in höchstem Maß sich selbst differenzieren und alle Sorgfalt darauf verwenden, wie es sich adressiere, an alle, an keinen, an wen. Das ist der Grund dafür, dass es nicht ein System ausbilden, sondern durchaus perspektivisch und auf Schritt und Tritt höchst vorsichtig sich entfalten kann.
Als tiefstes und allumfassendes Geschehen in der Welt gilt unablässige, niemals stillstehende, unendlich sich differenzierende Interpretation. In der Folge rücken für Nietzsche Künstler und Philosophen nahe zusammen, werden fast identisch. Und diejenigen Autoren, die der zünftigen Tradition gewöhnlich nicht allzu viel gegolten haben, wiewohl sie am ehesten Künstler und Philosophen zugleich waren, die Essayisten und Aphoristiker unter den Dichtern und Denkern, diese seine Vorläufer holt Nietzsche in sein Denken ein, erschließt ihr Schaffen und stellt sie, die ,Menschenprüfer’ und ,Sentenzenschleifer’, außerordentlich hoch.| 22 | Es sind jene, welche, vor allem in Frankreich, Moralisten heißen und, ganz im Gegenzug zu der landläufigen Annahme, nicht so sehr Moralprediger als vielmehr Moralkritiker sind.| 23 | Ihre Geistesblitze, die moralistischen Fulgurationen stellen in konzisester Form dar, was in geistiger Hinsicht den zentralen Daseinsakt ausmacht: Interpretieren. Mit den moralistischen Aphorismen werden Situationen bedeutsam. Die Möglichkeit erwächst, daraus Folgerungen abzuleiten. Welche Folgerungen im Einzelnen, das freilich wird nicht vorgesagt, das bleibt einem jeden anheimgestellt.
Nietzsches Philosophieren insgesamt vollzieht sich konsequent als ein Experimentieren mit Möglichkeiten und Grenzen der Mitteilung. Die vordringlichste Frage ist offenbar, ob es unter Menschen überhaupt Mitteilung gebe. Dies ist hoch bedeutsam, denn es ist gewissermaßen Nietzsches und, wie man sagen wird, unser aller Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Vernünftigkeit in den menschlichen Dingen.
Bei Adorno, in den Minima Moralia, da wird nicht länger dem Allgemeinen der Vorrang zuerkannt gegenüber dem Besonderen. Es wird vielmehr auf Erfahrung gesetzt und auf Einsicht, dass weit eher vom Verweilen beim Einzelnen Wahrheit abhängt. Erprobt wird ein alternativer Denkstil: ein persönlicher, erfahrungsgestützter, in sich diskontinuierlicher, ein gegenüber der Beharrlichkeit des Bekannten distanzierter, an Ausdruck und Darstellung orientierter und so jedes fixe Urteilen brechender Denkstil. Geübt wird in erster Linie Urteilskraft als Kunst der Unterscheidung, der Differenzierung, der Dezentrierung. Der Erkenntnis stellt sich die paradoxe Aufgabe, „das Begriffslose mit Begriffen aufzutun, ohne es ihnen (sc. den Begriffen) gleich zu machen“.| 24 |

Was könnte gesagt werden, was nicht fragte?

Dies ist viel verlangt. Vielleicht zuviel. Schließlich läuft die Sache darauf hinaus, dass einbekannt werden muss: Was könnte gesagt werden, was nicht fragte? Mit anderen Worten: Die gesellschaftliche, existentielle und ästhetische Zersplitterung bleibt uneinholbar. Insofern ,Passagen-Denken’. Dazu hatte bekanntlich als erster bereits Ende des 16. Jahrhunderts Montaigne sich veranlasst gesehen. Programmatisch geradezu der Satz: „Je ne peinds pas l'estre, je peinds le passage“.| 25 |
Bis hin zu Botho Strauß reicht der Versuch, in aphoristischen Texten zu philosophieren und (wie ehedem Stéphane Mallarmé, aus orphischem Gestus) ,ein unaufhörliches Buch über Alles’ zu schreiben. Das freilich schränkt keineswegs die Warnung ein, es werde in aller noch so fleißigen Adnoten-Schreiberei „auf nichts hinauslaufen“.| 26 | Vom ganz und gar Menschlichen ist anscheinend nicht viel übrig. Zwischen den Kräften und aller Gewalt, die mittlerweile auf die Welt einwirken, scheint „das gesamte Repertoire des moralischen Bemerkens“ an den Rand geraten. Ein Sittenspiegel in der Art eines La Bruyère könnte die übergreifenden Bewegungen kaum mehr einfangen, das Massenschicksal nicht erfassen.| 27 | Der Blick auf die Menschenwelt wird noch geübt, kaum weniger kunstvoll als irgend sonst in der gesamten moralistischen Tradition von Seneca bis Camus, Canetti und Cioran. Genährt aber wird damit kein Zutrauen, keine fröhliche, umgängliche Weisheit wie einst bei Kohelet und sodann, in der weiß Gott auch schlimmen Zeit der Religionskriege, bei Montaigne.| 28 | Was unentwegt bestätigt und befördert wird, ist Distanz, eine unerhörte Befremdung. Dabei allerdings entsteht noch einmal Literatur, schöne noch dazu, Sprachkunst. „Die Sprache der vollkommenen Desillusion bleibt doch als Sprache die schönste Illusion und erhebt sich zu einer dichtungsskeptischen Dichtung.“| 29 |
Was vorgebracht wird, sind Bruchstücke, sind, nicht anders als bei Chamfort, Camus, Roland Barthes, ,Einsprengsel eines nie erzählten Romans’; Szenen, Geschichten, Fragmente, Aphorismen, auf dialogische Rezeption angelegt, auf freie Interpretation und Anerkennung von Alterität. Um ausdrücklich zu zitieren: „Wenn man es stilistisch genau nähme, so fragt alles, wovon ich spreche“.| 30 | Es fragt noch nicht einmal unmittelbar beim Leser an, sondern zunächst bei Autoren, alten, klassischen. Ins Gespräch mit ihnen, in die denkbar komplizierteste Intertextualität ist also einbezogen, wer immer sich angesprochen fühlt, eingeladen zum Mitdenken, Mitreden, Mitschreiben.

H. P. Balmer, 13. Dezember 2005

Eine erweiterte Darstellung wurde unter dem Titel „Aphoristik, Essayistik, Moralistik“ im Rahmen der Ringvorlesung ,Theorien der Literatur III’ an der Universität Augsburg am 23. November 2005 vorgetragen. Die Druckfassung erscheint in: Theorien der Literatur, III, hgg. H. V. Geppert/H. Zapf, Tübingen 2007.

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  | 1 | Maximen und Reflexionen (MR), Ziff. 532.

  | 2 | Rudolf Behrens: Toposforschung, Moralistik und Blaise Pascal, Zur ,ideologiekritischen’ Auseinandersetzung mit topischer Aktualisierung des Meinungswissens, in: Dieter Breuer/Helmut Schanze (Hgg.), Topik, München 1981, S. 147-170.

  | 3 | E. Hidalgo-Serna: Das ingeniöse Denken bei Baltasar Gracián, Der ,concepto’ und seine logische Funktion, München 1985.

  | 4 | Griech. éndoxa, lat. verisimília.

  | 5 | Griech. koinoì tópoi, lat. loci communes.

  | 6 | Réflexions ou Sentences et Maximes Morales, [La Haye 1664], Paris 1665; Maximen und Reflexionen, frz.-dt., hg. J. v. Stackelberg, München 1987.
Roland Barthes: La Rochefoucauld, Réflexions ou Sentences et Maximes (Paris 1961), in: Le Degré zéro de l'écriture, suivi de Nouveaux Essais critiques, Paris 1972, S. 69-88.

  | 7 | Frank Wanning: Diskursivität und Aphoristik, Untersuchungen zum Formen- und Wertewandel in der höfischen Moralistik, Tübingen 1989, S. 139.

  | 8 | La Bruyère: Les Caractères ou les mœurs de ce siècle, 1688-1694, Paris 1688; Die Charaktere oder Die Sitten des Jahrhunderts, hg. G. Hess, Leipzig 1940, 21978.

  | 9 | Vauvenargues, Maxime 127.

| 10 | Chamfort: Produits de la civilisation perfectionée: Maximes, Pensées, Caractères et Anecdotes, 1795, hg. J. Dagen, Paris 1968; Früchte der vollendeten Zivilisation, Maximen, Gedanken, Charakterzüge, frz.-dt., hg. R.-R. Wuthenow, Stuttgart 1977, Anekdote 771.

| 11 | Albert Camus: Introduction aux ,Maximes’ de Chamfort, in: Essais, hg. R. Quillot/L. Faucon, Paris 1965, S. 1099-1109.

| 12 | Anonyme Rezension in der Klio von 1796, zit. in: Chamfort, Ein Wald voller Diebe, Nördlingen 1987, S. 396.

| 13 | Gerhard Neumann: Ideenparadiese, München 1976.

| 14 | Die Maximen und Reflexionen (MR) wurden posthum 1907 durch Max Hecker aus dem Nachlass komplettiert.

| 15 | Von apercevoir, lat. appercipere!

| 16 | MR 416.

| 17 | MR 696.

| 18 | MR 1205.

| 19 | Alexandre Pope (On Man, 1733, II 1): „Know then thyself, presume not God to scan, the proper study of mankind is man.“ Pope steht damit im Gefolge Pierre Charrons (La Sagesse, 1601, I 1: „le vrai étude de l'homme c'est l'homme“). Für beide ist die Quelle freilich Montaigne: „...car son plus laborieux et principal estude, c'est s'estudier à soy“ (Essais III 3).

| 20 | An Schiller, 5. Mai 1798.

| 21 | MR 657. Zu Goethes Vorbehalten gegenüber unberechtigten Erwartungen hinsichtlich allzu umstandloser Selbsterkenntnis vgl. K.R. Eissler: Goethe, München 1987, Bd. 2, S. 1283-1292.

| 22 | Hans Peter Balmer: Nietzsches Erschließung der europäischen Moralistik, in: Perspektiven der Philosophie, Neues Jahrbuch 7, 1981, S. 9-24;
Ders., Lebendigkeit und Bedingtheit, Der moralistische Faktor in der praktischen Philosophie, in: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie 32, 1985, S. 491-507;
Ders., Weisheit der untröstlichen Tröster, Der Diskurs der Moralisten, in: A. Assmann (Hg.) Weisheit, München 1991, S. 525-536;
Brendan Donnellan: Nietzsche and the French moralists, Bonn 1982;
Edmund Heller: Nietzsches Scheitern am Werk, Freiburg/München 1989;
Karl-Heinz Göttert: Kunst der Sentenzen-Schleiferei. Zu Nietzsches Rückgriff auf die europäische Moralistik, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 67 (1993), S. 717-728.

| 23 | Nietzsche, Nachlass-Fragment 1885, KSA XI 509, 35[1].

| 24 | Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, Frankfurt a. M. 1966, S. 21.

| 25 | Essais III 2.

| 26 | Der Untenstehende auf Zehenspitzen, München 2004 (UZ), S. 5, 12, 111.

| 27 | UZ 155.

| 28 | Une sagesse gay et sociale (Essais III 13).

| 29 | UZ 120.

| 30 | UZ 85.

Über Aphoristik

» Friedemann Spicker: Der deutsche Aphorismus im 20. Jahrhundert. Spiel, Bild, Erkenntnis.

» Friedemann Spicker: Studien zum deutschen Aphorismus im 20. Jahrhundert.

» Harald Fricke, Urs Meyer (Hrsg.): Abgerissene Einfälle.

» Thomas Stölzel: Rohe und polierte Gedanken. Studien zur Wirkunsgweise aphoristischer Texte.

» Harald Fricke: Aphorismus (Forschungsartikel), in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik (hrsg. von Gert Ueding), Band 1, A - Bib, S. 773-790.

» Klaus von Welser: Die Sprache des Aphorismus. Formen impliziter Argumentation von Lichtenberg bis zur Gegenwart.

» Gerhard Neumann: Ideenpara- diese. Untersuchungen zur Aphoristik von Lichtenberg, Novalis, Friedrich Schlegel und Goethe.

» Gerhard Neumann: Der Apho- rismus. Zur Geschichte, zu den Formen und Möglichkeiten einer literarischen Gattung.

» Paul Requadt: Das aphoristische Denken, in: Lichtenberg, S. 133-165.

Aphoristiker

Theodor W. Adorno

Elias Canetti

Johann Wolfgang von Goethe

Baltasar Gracián

Karl Kraus

François La Rochefoucauld

Georg Christoph Lichtenberg

Friedrich Nietzsche

Über Essayistik

» Christian Schärf: Geschichte des Essays. Von Montaigne bis Adorno, S. 229-240.

» Wolfgang Müller-Funk: Erfahrung und Experiment. Studien zu Geschichte und Theorie des Essayismus.

» Eberhard Ostermann: Essay (Forschungsartikel), in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik (hrsg. von Gert Ueding), Band 2, Bie - Eul, S. 1460-1468.

» Klaus Weissenberger: Prosakunst ohne Erzählen. Die Gattungen der nichtfiktionalen Kunstprosa.

Über Moralistik

» Margot Kruse: Beiträge zur französischen Moralistik (hrsg. von Joachim Küpper).

» Andreas Luckner: Klugheitsethik, in: Marcus Düwell/Christoph Hübenthal (Hgg.): Handbuch Ethik, S. 206-217.

» Leander Scholz: Das Archiv der Klugheit, Strategien des Wissens um 1700.

» Peter Werle: Lexikonartikel Moralistik, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissen- schaft in 3 Bänden (hrsg. von G. Braungart, H. Fricke, K. Grubmüller, J.-D. Müller, F. Vollhardt und K. Weimar), Band 2, H-O, S. 633-636.

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» Robert Zimmer: Die europäischen Moralisten zur Einführung.

» Benedetta Papàsogli: Il prisma dei moralisti.

» Ulrich Schulz-Buschhaus: Moralistik und Poetik.

» Hans Peter Balmer: Moralistische Ethik, in: Annemarie Pieper (Hrsg.), Geschichte der neueren Ethik, Band 1, S. 1-25.

» Paul Geyer: Zur Dialektik des Paradoxen in der französischen Moralistik, in: Das Paradox. Eine Herausforderung des abendländischen Denkens (hrsg. mit Roland Hagenbüchle), S. 385-407.

» Jean Lafond: Moralistes du xviie siècle.

» Jürgen von Stackelberg: Französische Moralistik im europäischen Kontext.

» Hans Peter Balmer: Philosophie der menschlichen Dinge. Die europäische Moralistik.

» Cristoph Strosetzki: Moralistik und gesellschaftliche Norm, in: Peter Brockmeier/Hermann H. Wetzel (Hgg.): Französische Literatur in Einzeldarstellungen, Band 1, S. 177-223.

» Fritz Schalk (Hrsg.): Die französischen Moralisten [enthält vollständige deutsche Übersetzung u. a. von La Rochefoucauld, Vauvenargues, Chamfort].