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Arthur Schnitzler (* 1862; † 1931)

Bewahre uns der Himmel vor dem „Verstehen“. Es nimmt unserm Zorn die Kraft, unserm Haß die Würde, unserer Rache die Lust und noch unserer Erinnerung die Seligkeit.| 1 |

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 als erstes von vier Kindern einer Arztfamilie in Wien geboren. Von 1871 bis 1879 besuchte er das Akademische Gymnasium und absolvierte anschließend ein Medizinstudium, das er 1885 mit der Promotion abschloss. Nach einigen Jahren als Assistent und Sekundararzt betrieb er seit dem Tod des Vaters (1893) eine Privatpraxis. Diese Tätigkeit trat später zugunsten der Literatur immer mehr in den Hintergrund. Bereits 1880 war seine erste literarische Publikation in der Zeitschrift Der freie Landesbote erschienen. Es folgten ab 1886 regelmäßige Veröffentlichungen von Gedichten, Prosaskizzen und Aphorismen in literarischen Zeitschriften. Das erste Bühnenstück Anatol, zu dem Hugo von Hoffmannsthal den Prolog beisteuerte, erschien 1892. Es folgten das Stück Liebelei (1895), die Novellen Sterben (1895) und Lieutenant Gustl (1901) – letztere in der Form des inneren Monologes, was eine Novität in der damaligen deutschsprachigen Literatur war – sowie die bereits 1896/97 verfasste Szenenreihe Der Reigen (Privatdruck Wien 1903). Nach dessen Uraufführung in Berlin 1920 wurden die Schauspieler und die Leitung des Kleinen Schauspiel- hauses Berlin wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses belangt. Kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges, den er anders als viele Zeitgenossen verabscheute, stand er mit Werken wie der Tragikkomödie Das weite Land (1911) oder ein den Antisemitismus in Wien aufgreifendendes Stück Professor Berhardi (1912) im Zenit seines Ruhms. In den 1920er Jahren galt Schnitzler als der Vorkriegszeit angehörend, und seine Stücke wurden seltener aufgeführt. Allerdings zeigten Filmfirmen Interesse an seinem Werk, und Schnitzler, der sich für das neue Medium Film sehr begeisterte, verfasste selbst die Drehbücher zu seinen Stücken und Romanen. Seine letzten Lebensjahre wurden von einer zunehmenden Schwerhörigkeit, die bereits 1896 einsetzte, und dem Selbstmord seiner Tochter Lili 1928 überschattet. Arthur Schnitzler starb am 21. Oktober 1931 in Wien.
Arthur Schnitzlers Tagebuch, das er seit seinem 17. Lebensjahr führte, umfasst 8000 Seiten und gilt in seiner Ausführlichkeit und Kontinuität als herausragend.

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  | 1 | Aphorismen und Betrachtungen. In: Arthur Schnitzler: Gesammelte Werke. Band 5. Hrsg. von Robert O. Weiss. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 1967. S. 45 (Nr. 16).

Bücher

» Beziehungen und Einsamkeiten. Aphorismen. Ausgewählt und eingeleitet von Clemens Eich

» Entworfenes und Verworfenes. Aus dem Nachlaß. Hrsg. von Reinhard Urbach.

» Buch der Sprüche und Bedenken. Aphorismen und Fragmente.