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Robert Musil (* 1880; † 1942)

Sonniger Schriftsteller – Er lobt nicht sich selbst, aber er lobt die Güte des Herrn, die ihn geschaffen hat. Das ist seine Form der Eitelkeit.| 1 |

Robert Musil, geboren 1880 in Klagenfurt, wuchs in einem Elternhaus auf, das der Literatur fern stand. Nach mehreren Umzügen siedelte die Familie 1891 nach Brünn über. Wie auch sein Vater studierte er Maschinenbau (1897-1901), begann aber im Alter von 18 Jahren – ausgelöst durch Nietzsche-Lektüre – sich für Literatur zu interessieren. Studium der Philosophie und Psychologie in Berlin von 1903 bis 1908. „Entscheidende geistige Einflüsse“ empfing Musil außer Nietzsche auch von Dostojewski, Emerson, Novalis und Maeterlink. Sein erster Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, der 1906 veröffentlicht wurde, begründete Musils Ruhm. Freundschaften mit Alfred Kerr, Franz Blei, Emil Schaeffer, Publikationen in expressionistischen Zeitschriften und für die Neue Rundschau, deren Redakteur er Anfang 1914 wurde. Die ersten drei Jahre des ersten Weltkriegs war er Kompanieführer, später engagierte er sich pazifistisch. Zu Beginn der 20er Jahre schrieb Musil Theater- und Kunstkritiken und arbeitete gleichzeitig an seiner Fragment gebliebenen Romantrilogie Der Mann ohne Eigenschaften. Musil selbst sah sich als distanzierten Beobachter („Monsieur le vivisecteur“); Distanz und Abgetrenntsein sind zentrale Motive in seinem Werk. Trotz diverser Literaturpreise (u.a. Kleist-Preis 1923 auf Vorschlag von Alfred Döblin, Gerhart-Hauptmann-Preis 1929) lebte er in ständigen Geldsorgen, zu deren Behebung der Kunsthistoriker Kurt Glaser eine Musil-Gesellschaft gründete. Musil wohnte, abgesehen von einem Aufenthalt in Berlin zwischen 1931 und 1933, in Wien. Nachdem 1938 seine Bücher in Deutschland und Österreich verboten wurden, emigrierte er mit seiner Frau nach Zürich. 1942 stirbt Musil 61-jährig an einem Gehirnschlag in Genf. Musil wurde als Autor wiederentdeckt, als ab 1952 sein Werk von Adolf Frisé neu herausgegeben wurde.

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  | 1 | „Aus einem Rapial“, in: Prosa und Stücke. Reinbek: Rowohlt, 1978.

Bücher

» Tagebücher, 2 Bände.

» Prosa und Stücke. Kleine Prosa. Aphorismen. Autobiographisches. Essays und Reden. Kritik (Gesammelte Werke, Band 2.)