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François La Rochefoucauld (* 1613; † 1680)

Es ist niemals so schwer, treffend zu sprechen, als wenn man sich schämt zu schweigen.| 1 |

François VI. Duc De La Rochefoucauld wurde 1613 in Paris als ältester von 12 Geschwistern geboren. Seine Familie gehörte dem höchsten Adel Frankreichs an. Mit 15 heiratete er Andrée de Vivonne, mit der zusammen er acht Kinder hatte. Um 1630 schon bei einem italienischen Feldzug unter Waffen, gelangte La Rochefoucauld bald darauf an den Hof Ludwigs XIII, wo gegen die mächtige Stellung Richelieus, des Architekten des französischen Absolutismus und Überwinders der Adelsmacht, intrigiert wurde. La Rochefoucauld lernte die Gunst der Königin, aber auch Verbannung und Bastille kennen. Teilnahme an Feldzügen in Flandern und Italien, sowie am Fronde-Aufstand 1648-52 gegen Kardinal Mazarin und Ludwig XIV. Schwer verletzt und besiegt, schwört er 1653 dem König Treue. Politisch endgültig gescheitert, zieht er sich, wie viele Mitglieder seiner Gesellschaftsschicht, in das literarische Leben der „Salons“ zurück und verfasst seine „Mémoires“. Nach dem Tode Mazarins folgt eine vorsichtige Versöhnung mit Ludwig XIV., doch 1664 erschienen, ohne Wissen und Willen des Autors, die Maximes, die vorher in den Salonkreisen zirkuliert waren. Die Skandalwirkung war beträchtlich, das pessimistische Bild des Menschen, das aus diesen Sentenzen sprach, schockierte, traf aber den Nerv der Zeit und ganz besonders die resignierte Stimmung des Hochadels in der Zeit des Absolutismus. La Rochefoucauld starb nach schwerer Krankheit 1680 in Paris.| 2 |

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  | 1 | Fritz Schalk (Hrsg. und Übers.): Die französischen Moralisten. La Rochefoucauld · Vauvenargues · Montesquieu · Chamfort · Rivarol. Die Aphorismenbücher in vollständiger Gestalt. Wiesbaden: Dieterich’sche Verlagsanstalt, o.J., S. 63.

  | 2 | Auszüge aus dem Eintrag im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (Seiten-Abruf am 22. Februar 2005).

Bücher

» Reflexionen oder Sentenzen und moralische Maximen, hrsg. von Helga Bergmann und Friedrich Hörleck.

» Œuvres Complètes, hrsg. von Louis Martin-Chauffier und Jean Marchand.

» „Reflexionen und moralische Sentenzen“ in Fritz Schalk (Übers. und Hrsg.): Die französischen Moralisten,
Band 1.